Afghanistan, die Paschtunen und Mediation – Teil 1

Gepostet von am Aug 19, 2013 | Keine Kommentare

Afghanistan, die Paschtunen und Mediation – Teil 1

Afghanistan und das Thema „Konflikt“

Wenn wir in den Medien mit Bildern und Informationen über Afghanistan konfrontiert werden, entsteht fast automatisch in unseren Köpfen eine Assoziation mit dem Thema Konflikt. Es gibt innerafghanische Konflikte mit den Taliban und auch Konflikte innerhalb der verschiedenen ethnischen Gruppen Afghanistans. Des Weiteren gibt es immer wieder auftauchende Konflikte mit den dort stationierten internationalen Militärmächten.

Afghanische Konfliktlösungsverfahren

Aus diesem Grund tauchten für mich als Mediatorin immer wieder Fragen nach afghanischen Konfkiktbewältigungverfahren auf. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf ein sehr altes und immer noch in ganz Afghanistan praktiziertes Konfliktbewältigungssystem gestoßen. Im Sommer 2012 habe ich deshalb einen Teil der Zeit meiner Arbeit in Afghanistan dafür verwendet, mich mit dem dort üblichen Konfliktlösungsverfahren, den Jirgas und deren Konfliktbearbeitern den Jirga-Ältesten, zu beschäftigen.

Meine Vorgehensweise

Grundlegend wichtig war für mich persönlich auf keinen Fall unter der Prämisse zu vorzugehen: „die westliche Welt hat mit Mediation ein Konfliktlösungsverfahren ausgearbeitet und zeigt damit einem Entwicklungsland wie Konfliktlösung funktioniert.“ Ich wollte sensibel, wertschätzend und lernbereit das Rechts- und Konfliktbewältigungssystem einer anderen Kultur beleuchten und in Verbindung mit Mediation, wie wir sie in der westlichen Welt kennen, untersuchen. Dabei lag meine Konzentration hauptsächlich auf den afghanischenden Paschtunen.

Warum ich mich auf die afghanischen Paschtunen konzentriert habe

Die afghanischen Paschtunen deshalb, weil sie die größte Stammesgesellschaft sind und gleichzeitig über ein in Afghanistan allgemein anerkanntes System der Rechtsgerechtigkeit verfügen. Das Paschtunwali ist der Verhaltenskodex der Paschtunen. Das Konfliktlösungsverfahren innerhalb dieses Systems der Rechtsgerechtigkeit (Paschtunwali) wird Jirga genannt. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Arten von Jirgas (Versammlungen). Zum Einen dient die Jirga als Rahmen für Friedensverhandlungen, zum Anderen zur Beilegung von Konflikten.

 

Die Paschtunen und die Mediation

Wir bewegen uns im paschtunischen Stammessystem in einem System einer gänzlich anderen Kultur. Was bedeutet das für Mediation? Bedeutet das, dass Mediation nur in manchen Kulturkreisen, wie zum Beispiel im westlichen Kulturkreis zum Einsatz kommen kann, weil nur dort die dafür grundlegenden kulturellen Voraussetzungen dafür vorhanden sind? (…)

Soldat in Kabul

Die ist ein Teil aus dem Artikel den ich für die Zeitschrift „Spektrum der Mediation“ geschrieben habe und der in Kürze vom Bundesverband Mediation erscheinen wird. Lesen Sie bald hier den zweiten Teil über das Ergebnis des erneuten Gesprächs mit dem Jirga-Ältesten!

 

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